Ich hab mich jetzt mal für eine Stunde dran gesetzt und auch mal eine Capsule aufgesetzt. Mit Agate und nem eigenen Server (und sei es nur ein VPS/Vhost) ist das verdammt schnell gemacht.
Mit erschrecken musste ich dann auch feststellen, dass beim schreiben der Seiten ich direkt die Zeit vergessen habe (zum Glück war die Pizza noch nicht im Ofen :D)
Hier ist die verwendete Serversoftware: https://github.com/mbrubeck/agate
und meine Capsule kann man hier finden: gemini://alhena.space/index.gmi
Ich kenne ein paar der Wörter, die du schreibst, weiser Mann.
z.B. “Pizza”. Und “und”.Ja, braucht vielleicht etwas Erklärung: Gemini ist ein Protokoll, das quasi mit HTTP(S) konkuriert. Statt HTML wird eine Markdown-ähnliche Sprache verwendet. Es gibt in dem Sinne kein JavaScript oder CSS.
Und du kannst kein Firefox und Co. verwenden, sondern brauchst einen Gemini-Browser. Weil das Protokoll so simpel ist, gibt es davon aber zum Glück eine große Auswahl.Gemini versucht also HTTPS und HTML gleichzeitig abzulösen? Was hat das den noch für Vorteile? Das mit Markdown könnte man ja auch easy mit dem entsprechendem Content-Type lösen. Wenn der Browser den unterstützt, wird es entsprechend gerendert und wenn nicht, wird es dann einfach als text angezeigt.
Ja, genau, der Markdown-artige HTML-Ersatz heißt Gemtext.
Also wirklicher Vorteil ist bestenfalls, dass es simpel ist. Hier ist ein Beispiel-Austausch in Gemini:
Client schickt:
gemini://example.com/Server schickt:
20 text/gemini # Example Title Welcome to my Gemini capsule. * Example list item => gemini://link.to/another/resource Link textAlles nach der ersten Zeile des Servers ist schon Inhalt.
Das ist eben so simpel, dass es komplexer wäre, wenn du einen bestehenden HTTP-Browser anpassen würdest, um zusätzlich Gemtext zu unterstützen.
Auch mMn sehr eindrücklich ist, dass das hier die vollständige, formale Definition des Gemini-Protokolls ist, und das hier die vollständige, formale Definition von Gemtext. Das ist 'ne nette Nachmittagslektüre.
Also ja, HTTP ist im Kern auch nicht wahnsinnig komplex, aber wenn man alle Eventualitäten unterstützen will, dann wird es doch schon komplexer.
Mal von der Technologie abgesehen, und wo es auch extrem subjektiv wird, ob man das als Vorteil ansieht, ist Gemini eben auch bewusst ein bisschen abgegrenzt vom World Wide Web (mit HTTP und HTML).
Stattdessen baut es sich seine eigene kleine Welt (“Geminispace”) auf, die bewusst nicht alle Möglichkeiten des World Wide Web bereitstellt. Zitat z.B. von der Gemini-Webseite:Gemini isn’t about innovation or disruption, it’s about providing some respite for those who feel the internet has been disrupted enough already. We’re not out to change the world or destroy other technologies. We are out to build a lightweight online space where documents are just documents, in the interests of every reader’s privacy, attention and bandwidth.
Was in der Praxis daraus gemacht wird, ist natürlich nochmal was anderes.
Also gibt durchaus mehr-oder-weniger-ernst gemeinte Stimmen, die von “Burn the Web” sprechen, weil halt so viel des World Wide Webs kommerzialisiert ist. Spätestens jetzt mit den ganzen KIs, die alles zu-spammen, was irgendwie monetarisiert werden kann, passiert das ja auch schon teilweise von selbst.
Und dann gibt es eben auch mittlerweile eine kleine Community, die sich im Geminispace findet. Der kleinste, gemeinsame Nenner bei Interessen ist eben Technologie und Nachhaltigkeit, aber man kann auch alles mögliche an Blogs dort lesen und darüber dann die Leute kennen lernen.Hier auch eine ausführliche Einführung in das Gemtext-Markup-Format:
http://geminiprotocol.net/docs/gemtext.gmi
Es ist nicht halb so komplex wie Markdown (also das was hier bei feddit für die Formatierung der Kommentare benutzt wird). Das ist halt wirklich gezielt dafür gemacht, dass man ohne gross was nachzuschlagen seinen Text runter schreiben und publizieren kann.
Es hat weniger als 1% der Komplexität und ist praktisch wartungsfrei. Weil der Server so einfach ist, gibt es auch keine Sichereitslücken.
Der agate-Server hat beispielsweise 2 Konfigurationselemente:
- Den root-Ordner mit den Inhalten, die er serviert
- Die Netzwerkschnittstelle bzw. IP Adresse, auf der er horcht.
Man kann das also, ähnlich wie einen File Sharing Client, in einer Stunde aufsetzen, wo man auch bei einem simpel gehaltenen HTTP Webserver eher Tage braucht.
Und man kann seine Seiten am bequemsten im Texteditor schreiben, mit Emacs, vim, notepad, oder kedit.
Gemini eignet sich auch als eine Art lokales Wiki zum Strukturieren von Informationen, Dokumenten und Medien.
(Das könnte man theoretisch auch mit einem Webbrowser, der auf eine file:// URL zeigt, mit Indexseiten in handgeschriebenem HTML, aber das ist in der Praxis viel zu unhandlich.)
Schick wär ein Client, der sich via ssh direkt mit einem Server verbinden kann und es ermöglicht, die Seite im Browserfenster zu editieren und wieder auf dem Server zu speichern - so wie die allerersten Netscape Webbrowser das konnten. (Es gibt natürlich Texteditoren und / oder FileManager, die so was können - z.B. Emacs mit Tramp, Midnight Commander, KDE Krusador, oder Notepad++, aber von denen kann glaube ich nur Emacs (mit Elpher) die Seiten auch darstellen.)
Schick wär ein Client, der sich via ssh direkt mit einem Server verbinden kann und es ermöglicht, die Seite im Browserfenster zu editieren und wieder auf dem Server zu speichern - so wie die allerersten Netscape Webbrowser das konnten.
Oder du mountest dein geminispace in deinem File Explorer via FTP/SFTP/SSH und editierst deine Kapsel als läge sie auf deiner lokalen Platte :)
Das geht selbstverständlich auch :-D
weiser Mann
*hust* *hust*
stells dir vor wie ein Webspace in den späten 1990er / frühen 2000; Wo das Internet noch einfach war und nicht von Konzernen überrannt war.
Ich mag Gemini. Hab mir ne Capsule per YunoHost installiert. Funktioniert einfach. Ich weiß nur nicht was ich da veröffentlichen soll.
Funktioniert einfach
ja, ist verdammt plug-and-play. Wie damals, wo es ausreichte via ftp seine Html und Bild-Dateien auf seinen Webspace zu pushen.
Ich weiß nur nicht was ich da veröffentlichen soll.
Yeah, bin da im gleichen Boot. Denke, ich poste in meiner Capsule meine Spielleiter-Gedanken bei meiner Pathfinder Runde, die findet alle 2 Wochen statt und so bekomm ich meine Gedanken auch klar zu “papier”, sodass mein Hirn nicht die ganze Zeit sich damit beschäftigen muss. Und vielleicht noch das ein oder andere Random ding. I dunno.
Aber ja, Gemini ist… leicht, fühlt sich gut an. Hab vorhin auch ne Capsule gefunden die wie ein Forum funktioniert, kranker Scheiß: gemini://station.martinrue.com/
Gibt sogar ein komplettes BBS: gemini://bbs.geminispace.org
Und hier kann man digitale Pflanzen großziehen: gemini://astrobotany.mozz.us
Und hier kann man digitale Pflanzen großziehen: gemini://astrobotany.mozz.us
Oh das ist so süß!
Ich weiß nur nicht, was ich da veröffentlichen soll
Vielleicht ein paar leckere Kochrezepte?
Es gibt einen Directory-Server, der alle möglichen Seiten nach Thema geordnet erschließt, wie die Systematik einer Bibliothek.
Und mich persönlich nervt es, dass man sich jetzt bei chefkoch.de anmelden muss, um einen Pizzateig nachzuschauen.
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Ich selber mag ja den amfora Client sehr gerne. Das ist ein Terminalprogramm und ich finde es passt prima zu einem Textmedium.
absolut, auch wenn ich nich verstehe was genau hübsch an Lagrange (bspw im Coverbild des Posts dargestellt) sein sool, die Schaltflächen sehen wie aus Windows 9x Zeiten.
Das mit den Identiäten finde ich aber ne ziemlich coole Idee, man kann bspw auch die so generierten Identitäten per Klick auf anderen Capsules nutzen. Auch cool ist das Abonnieren von Seiten die dann von Lagrange geprüft wird ob es neue Timestamps oder Überschriften gibt.
deleted by creator
Find die UIs auch ganz gut; nur wenn ich halt GNOME nutze sollte das am besten auch durchgängig diesen Look and Feel haben :)
Mit erschrecken musste ich dann auch feststellen, dass beim schreiben der Seiten ich direkt die Zeit vergessen habe (zum Glück war die Pizza noch nicht im Ofen 🅰
Jo, die Nutzung von Gemini kann einen netten Flow-Zustand erzeugen, ähnlich wie ein ergötzliches Hobby-Programmierprojekt.
Auch wenn es vielleicht etwas offtopic wird: Wie sieht es mit KI Crawlern aus? Wird das Protokoll auch schon davon abgegrast?
Erklärung: Wenn ich einen Blog aufmache, will ich nicht, dass einer von “denen” anfängt, den Inhalt des Blogs ohne meine Erlaubnis zu Trainingszwecken zu verwenden. (Sie würden sie eh nicht bekommen, von daher.)Puh da kann ich nichts zu sagen. Naiverweise logge ich auch keine IPs um nachzuvollziehen wer auf meine Kapsel zugreift.
Oh, und man kann z.B. den agate Gemini-Server auch auf einem Raspberry Pi B betreiben, den man an seine Fritzbox hängt. Dann braucht man nur noch ne öffentliche IP (die muss man bei manchen Internetanbietern extra für ein paar Euro im Monat buchen) und einen DynDNS Eintrag.
Und schon hat man seinen Microblog ganz ohne Google, Facebook, Twitter, Amazon & Co.
Kann man machen, aber dann hast du eventuell ein Einfallstor direkt in dein LAN. Ich hab da lieber ein bisschen Knete für die Domain (mein VPS verwende ich ohnehin bereits für andere Dinge) ausgegeben. Sieht schicker aus und die Adresse hat auch n Admin Email Postfach über dis man mich anschreiben kann, ohne das ich meine persönliche E-Mail Adresse preisgeben muss.



