Als gerade der SPD-Stadtrats-Spitzenkandidat hier mit Flüstertüte und Live-Akkordeonspieler durch die Nachbarschaft gezogen ist, poppte bei mir ein ewig verschütteter Erinnerungsschnipsel aus meiner frühen Kindheit auf dem Dorf in 70ern und 80ern wieder auf:
Damals, in der Prä-Internet-Ära (und für einige bei uns sogar noch Prä-Privattelefon-Ära), fuhr regelmäßig ein Fahrzeug (ich glaube es gehörte zur freiwilligen Feuerwehr) mit minimalster Schrittgeschwindigkeit durch alle Straßen des Orts, um über die auf dem Dach montierten fetten Lautsprecher wichtige kurzfristige Infos für die Gemeinschaft vom Band abzuspielen.
Ich weiß noch, wie alle dann alles stehen und liegen gelassen haben, um raus zu rennen und uns Kinder ruhig zu psst-en, um nichts von den wichtigen Infos zu überhören.
Erinnert sich ausser mir noch jemand da dran?
Oder an ähnliche ausgestorbene Sachen, um die Leute prädigital mit Informationen zu versorgen?
Ich fand den Erinnerungs-Flash gerade spannend, auch vor dem Hintergrund einer gerade gestern gelesenen Meldung, dass sich 90% der Leute das Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen können.
Dinge wie die vergessenen Lautsprecherwagen gehören da sicher dazu, zusammen mit anderen Strategien um in einer rein analogen Welt ohne omnipräsente vernetzte Taschencomputer zurecht zu kommen.
Ich erinner mich noch dran wie in den späten 90ern die Polizei in einem T3 durch die Altstadt gefahren ist und per Lautsprecher den Mord einer Frau im Parkhaus verkündet und nach Zeugen/Infos gebeten hat.
Im heutigen Kontext wirkt das komplett surreal. :D
Wow, so hartes Zeugs war das bei uns dankenswerterweise nicht…
Mehr so Alltagsinfos, Ankündigung von Versammlungen, Straßensperrrungen oder so was in der Art, wenn ich das noch grob richtig im Kopf habe.
Der Inhalt war für Kinder nicht so wirklich interessant, ein aufregendes Ereignis war es jedesmal trotzdem ;-)
Hab ich zum letzten Mal 2019 in Heidelberg gesehen.
Da wurde eine leicht bläuliche Verfärbung des Trinkwassers berichtet, und bis das Wasser im Labor untersucht war, sollte niemand in der Stadt es verwenden.Da sind dann auch Lautsprecherwagen in Schrittgeschwindigkeit durch die Stadt gefahren, um die Leute zu informieren.
Menschen haben “ausgeliehene” Einkaufswägen voller Wasserflaschen durch die Fußgängerzone geschoben. Innerhalb von einer Stunde war alles Wasser in allen Geschäften ausverkauft, eine Stunde später alle nichtalkoholischen Getränke. Käufer haben sich um die letzten Flaschen gestritten. Die Webseite von Flaschenpost ist unter der Last zusammengebrochen.Nach 3 oder 4 Stunden kam die Entwarnung aus dem Labor und der Spuk war vorbei.
Aber das war ein krasses Erlebnis: Wie schnell es in so einer Stadt aussehen kann wie der Prolog zur Apokalypse.Ok, plötzlich kein Zugang zu Trinkwasser is aber auch wirklich eine heftige Sache…
Irgendwie ist man doch so ein bisschen von dem Zeug abhängig ;-)
Kann mir gut vorstellen, dass das eine echt krasse Situation war.Deswegen wird auch empfohlen ein Kanister mit Trinkwasser für zumindest ein paar Tage vorrätig zu haben und ist auch das einzige was ich habe. Bin ansonsten überhaupt kein prepper, aber Trinkwasser kann halt echt schnell mal knapp werden wie man an dem Beispiel sieht.
Interessant, hatte keine Ahnung dass es sowas hier mal gab. Da war ich in den 90ern wohl noch zu jung um mich daran zu erinnern. Solche Wägen kenne ich nur aus Japan, wo die auch heutzutage durch die Straßen fahren um entweder irgendwelche Produkte zu bewerben oder wenn gerade Wahlkampf ist Politiker.
War glaube ich auch Teil vom Zivilschutzkonzept bei uns.
Wäre mit dem Fall des Ostblocks ab 1990 wohl hinfällig geworden.
Aber hey, vielleicht kommt es ja demnächst wieder… 🫤
Lang ist das her. Aber gab es hier auch. Vom DRK her wurde so auf den abendlichen Blutspendetermin hingewiesen.
Wenn in der Stadt eine Bombenentschärfung war, fuhr die Feuerwehr oder Polizei so durch die Straßen, um auf die Räumung hinzuweisen. Ich glaube das hab ich auch vor 1-2 Jahren nochmal mitbekommen.
In den 1970ern, im städtischen Umfeld: „Wählen Sie am [Wahltermin] die [Partei XYZ], sie wird alles besser machen! [krachenden Lärm einblenden, der Musik gewesen sein könnte, bevor er durch die Lautsprecher gequetscht wurde]“
Gegenwart, im kleinstädtischen Umland: „[Klingelgeräusch] A-a-alteise-e-en! Alte Öf-e-e-en! [Klingelgeräusch]“
Oh ja, die Altgewinner fahren bei uns auch rum.
Und der Kartoffelmann mit seinem offenen LKW: “KAAAARTOFFELN! KAAAAARTOFFELN!” :-)Das Gewerbe, das du „Altgewinner“ nennst, heißt hier „Schrottler“. Wieder mal ein neues Wort für die Sammlung. :)
Bei ins nennt man die einfach Schrottis
Hab letztes Jahr am Tag vor der BTW in DD einen langen AfD-Konvoi gesehen, der von so einem Lautsprecherwagen mit Propaganda vom Band angeführt wurde…



