Erst recht bei diesen Temperaturen. Ich fang extra schon on um 7 uhr morgens an, aber nach 12 is es eigentlich schon nich mehr zumutbar bei mir auf der Arbeit.
Naja kommt drauf an. Mit nem Bürojob kann ich sicherlich problemlos bis 70 oder länger buckeln. In schwer körperlichen Jobs wie GaLa-Bau, Tiefbau, Landwirtschaft oä ist für einige 60 schon ne Herausforderung. Ein flexibleres bzw. angepasstes System wäre da sicherlich fairer.
Mit nem Bürojob kann ich sicherlich problemlos bis 70 oder länger buckeln.
Will ich aber vielleicht nicht. Und gerade aus linker Perspektive darf das ruhig Teil der Betrachtung sein.
Abgesehen davon sehe ich bei meiner Kollegin Ende 50, dass auch ein Job, der überwiegend im Büro passiert, in dem Alter nicht mehr “problemlos” ist. Hier tut’s weh, da tut’s weh, die Augen, die Knie, der Rücken, dann noch sommerliche Hitze, weil funktionierende Klimaanlagen ja allenfalls “nice to have” sind (sagt der Vorstand im klimatisierten Büro in der Zentrale), und dabei soll man sich 8 Stunden konzentrieren. Es darf irgendwann einfach mal gut sein, auch bevor man endgültig raus getragen werden muss.
Ich habe linke Politik vor allem auch als solidarische Poltik verstanden - und Solidarität ist ja keine Einbahnstraße Denn angenommen eine Person fängt nach seinem Studium einen Bürjob an, also vielleicht mit ~28. Mit 67 geht die Person in Rente und lebt dann bis 90? In Anbetracht weiter Ausfallzeiten wie Krankheit, Elternzeit, Teilzeit, Jobwechsel etc. bleibt dann nicht sehr viel Arbeitszeit über. Volkswirtschaften sind komplex und es ist fraglich wie die Zukunft aussieht - vielleicht wird Arbeitskraft ja vielfach überflüssig. Aber aus heutiger Sicht bin ich gerne bereit für die nachfolgenden länger zu arbeite, soweit es mein Körper zulässt.
Aber aus heutiger Sicht bin ich gerne bereit für die nachfolgenden länger zu arbeite, soweit es mein Körper zulässt.
Du arbeitest aber nicht für “die Nachfolgenden”, sondern für die Chefs. Wir sollten uns nicht so gegeneinander ausspielen lassen, Büroarbeit ist Arbeit, Physische Arbeit ist Arbeit. Vermieter sein bspw. ist hingegen keine Arbeit.
Ich habe nie in Abrede gestellt, dass sich grundsätzlich was ändern muss. Nichts desto trotz geht die Rechnung (Kindheit, Ausbildung, Fehlzeiten & Rente gegenüber Arbeitszeit) für mich bislang nicht auf. Aber ich bin auch kein Volkswirt.
Linke Politik ist aber auch emanzipatorisch und liberal. Also ein “ich hab’ kein Bock” ist zu hören und gegen andere Interessen abzuwägen.
Im Übrigen ist der Kern von einer “linken Weltanschauung” für mich auch, dass “Arbeit” viel mehr ist als “Lohnarbeit”. Nur weil jemand nicht mehr in Lohnabhängigkeit ist, macht er ja nicht “keine Arbeit” mehr. Ich habe wenig gearbeitet in meinem Leben, so wie Merz sich das gewünscht hätte…aber ich habe dabei meistens Kram gemacht, von dem ich glaube, dass er gut war für unsere Gesellschaft ¯\_(ツ)_/¯. Rentner fallen ja nicht auf die Couch, gucken nur noch Netflix und verbrennen dabei wertvolle Euros, die andere für sie erarbeiten.
Mit einer ganzheitlichen Betrachtung sind Transferzahlungen insgesamt gar nicht mehr so schlimm.
Sicherlich umfasst “linke Politik” auch andere Lebensmodelle und für mich als freiheitsliebenden Menschen soll es immer auch die Möglichkeit geben “kein Bock” zu haben. Weiterhin sollten Care Arbeit oder andere für die Gemeinschaft wertvolle Arbeiten in der Rente honoriert werden. Keine Frage. In einer idealen Welt würde das alles auch so funktionieren. Leben wir aber leider nicht. Und mit den “idealen” Mitbürgern würde jeder stets nach dem Ideal für seine Gesellschaft streben. Unsere Mitmenschen sind aber nicht “ideal”, sie sind komplex und haben mal “keinen Bock”. Das ist meiner Meinung nach auch gut so.
Ich bin ein Kind aus einer bäuerlichen Arbeiterfamilie. Ich bin damit groß geworden, dass Arbeit zwar erfüllend sein kann aber immer auch etwas ist, auf das man gerne verzichtet. Viele klassische Arbeiten wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im produzierenden Gewerbe etc. sind halt einfach anstrengend und scheiße. Da käme man nicht auf die Idee zu sagen “man habe ich Bock die 10ha Kartoffelacker von Meiers zu hacken” oder “lass mal die Straße nach Hintertüpfingen pflastern. Macht bestimmt mega Laune” Und solche Arbeiten gibt es vielfach, in vielen Bereichen der Gesellschaft. Diese Arbeiten sind in machen Branchen auch derart prägend, dass auf diese Jobs kaum einer Bock hat. Und dennoch müsssen sie getan werden. Dauerhaft.
Warum der Exkurs? Es geht um Fairness oder vielleicht auch etwas bedeutungsschwerer, um Gerechtigkeit.
Ich gehe nicht davon aus, dass ich die ganz großen gesellschaftlichen Umbrüche erleben werde. Aber selbst sozialistische Länder oder (vielleicht auch gerade) anarchistische Gruppen haben/hatten ihre Probleme mit den unliebsamen Arbeiten. Denn wenn Du Dich +/-40 Jahre jeden Tag abbuckelst, reicht Dir keine Rede über die Bedeutung dieser Arbeit für die Gesellschaft. Vor allem, wenn Du weißt, dass die Nachbarn den ganzen Tag nur Frisbee gespielt haben.
Meiner Meinung nach müssen wir pragmatisch sein und einen Kompromiss finden. Und sofern etwaige technische Entwicklungen Arbeit nicht überflüssig macht, müssen wir Arbeit in der Gesellschaft und zwischen den Generationen fair aufteilen. In Zeiten massiven demografischen Wandels bedeutet das daher für mich nicht, auf die Rente mit 60-65 zu pochen. Auch wenn einige Rentner ihre Rente im Sinne der Gesellschaft nutzen. Denn meiner Erfahrung nach, macht dass die Mehrheit nicht. Erwarte ich ehrlicher Weise aber auch nicht. Die können gerne mit ihrem Wohnwagen an die Ostsee zotteln und über die “jung’ Lüü” lästern. Haben sie sich ja verdient, vermutlich :)



